Der "Blaue Affe"

Von der Schwierigkeit, über Filme zu sprechen
1/12/2007
Der Blaue Affe

Dietmar gewidmet

So alle zwei Monate gehe ich mit einem Freund ins Kino. Seit einigen Jahren geht das nun schon so. Außerhalb dieses Kino Gehens treffen wir uns nicht. Er sucht immer die Filme aus, da ich, um ehrlich zu sein, zu faul dazu bin und auch die Verantwortung nicht übernehmen möchte, wenn der Film ein Reinfall ist. Ich sehe es ja jedes Mal bei ihm, wie er zögert, abwägt, fast ängstlich seine zwei, drei Vorschläge macht und wir uns dann auf einen einigen, meist auf den, den er am zögerlichsten vorschlug. Nach dem Film gib es einen kritischen Moment, wer wagt es als erster, sein vorläufiges Urteil abzugeben, wie wird der andere darauf reagieren? Er muss an dem Film etwas gut finden, zumindest partiell, er hat ihn ja vorgeschlagen und ich könnte ihn fürchterlich anmachen, in was für einen Film er mich denn da gesteckt hat, ob das denn sein Niveau ist, so etwas anzuschauen. Schon allein die Möglichkeit, der Adressat eines solchen Ansinnens zu sein, verhindert, dass ich den Filmvorschlag mache.

Bisher haben mir alle Filme, die er vorschlug, gefallen, zumindest fand ich sie interessant und spannend. Spannend ist ein Wort, das ich bei ihm immer wieder für Filme verwende, es aber gar nicht verwenden möchte, denn einen Film oder überhaupt etwas spannend zu finden, ist für ihn ein ähnlich vernichtendes Urteil, wie wenn man einem, einer Künstler/in sagen würde, dass seine, ihre Kunst nett sei. Ich akzeptiere seine schwarze Liste für Worte, aber dadurch, dass ich seine spannende Wortallergie kenne, schlägt meine Wortwahl hinterrücks immer gnadenlos zu, und ich erkläre, schneller als ich denken kann, schneller als ich nachkomme, dies zu verhindern, einen Film als sehr spannend, für ganz spannend, als besonders spannend. Schweigend kalte Blicke schauen mich dann an. Würde ich doch wenigstens interessant sagen, aber das geht bei mir nicht, da bekomme ich Pickel, das Wort ist auf meiner Liste. Echt spannend wäre es, herauszufinden, warum mir das Wort bei ihm immer wieder entweicht, ohne dass ich es möchte.

Einer der wichtigsten Gründe, in Filme zu gehen, ist, dass wir uns nach dem Film über den Film unterhalten, den Film gemeinsam analysieren, seine Stärken und Schwächen herauskitzeln, seinem Aufbau versuchen, auf die Spur kommen, ihn völlig anders lesen als vorgegeben oder oft einfach der Versuch, ihn zu verstehen, zu verstehen, was wir da gerade gemeinsam gesehen haben.

Nach dem Film gehen wir meist in das Lokal Blauer Affe. Das Lokal liegt in Berlin-Neukölln, ganze nah bei Kreuzberg, es ist ein Lokal mit Stamm- und Vorbeischaupublikum, kein Touristen- oder Szenelokal. Auch wenn ein stadtbekannter Szeneautor den Blauen Affen immer wieder auf seiner Agenda stehen hat, bleibt es ein in Berlin vom Aussterben bedrohtes Ecklokal. Gegenüber dem Blauen Affen lag früher das Lokal Hammer. Damals konnte man immer von einem Lokal in das andere wechseln, möglichst in nüchternem Zustand, denn eine viel befahrene Straße liegt zwischen beiden. Den Hammer gibt es nicht mehr, es hat geschlossen, nun ist in seine Hallen ein Matratzengeschäft eingezogen, eins von denen, bei denen ich mich immer frage, wer kauft eigentlich die vielen Matratzen, die ständigen Superschlafweichwohlfühlangebote, diese Matratzengeschäfte überfordern mich seit Jahren und stellen mich vor ein großes Rätsel.

Der Blaue Affe übernahm einige des Stammpublikums vom Hammer, sie mussten ja nur die Straße überqueren, was aber manchmal einer Kulturüberwindung gleichkommt, einer Auswanderung aus der Heimat. Rechts vom Kottbusser Damm wohnt ein ganz anderes Publikum als links vom Kottbusser Damm. Kulturen, Angewohnheiten und Einkaufstraditionen trennen die Wohnenden.

Bedient wird man im Blauen Affen von einer blonden, hübschen Frau, einer Rumänin. Sie ist ausgebildete Opernsängerin, stand in Bukarest jahrelang auf der Bühne, aber wie das dann halt so kommt, das Alter und die veränderten politischen Verhältnisse; an der Kultur spart man immer zuerst. Sie wurde nach Berlin verschlagen und verdient nun als Kellnerin im Blauen Affen mehr, als wenn sie in Bukarest auf der Bühne stehen würde. Einmal, es waren wenige Leute im Blauen Affen, erzählte sie uns ihre Geschichte ausführlich und sang uns auch eine kurze Arie vor. Als Hommage an Deutschland ein kurzes Stück von den Rheintöchtern von Wagner, dann aus dem Figaro und dann wollte einer am Tresen bezahlen und ein anderer ein neues Bier. Später entschuldigte sie sich für ihre Stimme, sie sei ungeübt und singe nur noch selten, zu Hause in der Badewanne, und lachte auf. Als wir meinten, hilflos und höflich, dass sie doch eine gute Stimme habe, schaute sie uns ganz melancholisch an, erkannte wahrscheinlich, dass wir keine Ahnung hatten, dass wir von dem Film, in dem wir gerade waren, mehr verstehen als von ihrer Stimme. Den Film hatten wir aber schon lange vergessen. Sie schaute uns sehnsuchtsvoll, wahrscheinlich an ihre Auftritte denkend und mit Mitleid, wahrscheinlich mit sich selbst und mit unserem Unverstand, an und meinte, dass sie einen anderen Anspruch, einen höheren habe und wieder wollte einer am Tresen sein neues Bier.

Wir sitzen nie am Tresen. Es schien uns so, dass da nur Einheimische sitzen, die, die jeden Tag hier sitzen, Stammgäste, die ihr Wohnzimmer hier haben, die sich gegenseitig kennen, so gut kennen, dass sie sich nichts mehr zu sagen haben.

Einmal, nach einem Film, über den es sehr viel zu sagen gäbe, ein Film, der eigentlich nur aus überladenem Kitsch bestand, aus Bildern, die jedes Klischee bedienten, aus Dialogen, die jedes Herz schmelzen ließen, war mein Vorrat an Papiertaschentüchern verbraucht. Zum Schluss des Filmes, nachdem alle Mitwirkenden in Kapitälchen und zentriert zu lesen waren, allen zu Dankenden gedankt wurde, hatte ich immer noch rote Augen und als das Licht anging schämte ich mich und versuchte verzweifelt, meine Tränen herunter zu schlucken. Der Film berührte auf einer spannend anderen Ebene, er war durchkonstruiert und verstörend, man wusste eigentlich nie, wovon er handelte, wie die Szenenfolgen abliefen, ein Film, der durch seine Sentimentalität davon ablenkte, ihm näher zu kommen. Dieser Film nahm einen auf, verführte und doch hielt er größte Distanz, über diesen mehrschichtigen Film wollten wir sprechen und saßen nun mit elf anderen Männern, alle am Tresen, wir an unserem Tischchen, im Blauen Affen.

Kaum stand das Bier auf unserem Tisch, überfiel uns eine Sprachhemmung, kein Stottern, sondern ein Sprachverlust, wir verstummten. Anfangs versuchten wir uns noch flüsternd zu unterhalten, zu viel hatte der Film bei uns ausgelöst, aufgewühlt, zu rot waren immer noch unsere Augen, zu viele Fragen hatten wir, aber die Stimmung im Blauen Affen verunmöglichte es uns, uns zu unterhalten, überhaupt zu sprechen, geschweige denn Worte zu finden. Es war still im Raum. Kein Wort von niemandem. Das Ziehen an einer Zigarette war zu hören, man hörte das Bier, wie es vom Hahn in die Gläser rann, man hörte das Bier, wie es vom Glas in die Münder lief, das Schlucken der Schlünder, man erschrak, wenn jemand ein Feuerzeug anmachte, um sich eine anzustecken. Es war ein elfmal verstärktes Schweigen, eine elfmal verstärkte Stille. Die sonst übliche, leise dahinrieselnde Musik, Tanzmusik, Schlager etc., war merkwürdigerweise abgestellt. Keiner redete ein Wort. Hätte nun einer der Männer am Tresen sich umgedreht, um uns anzuschauen, hätten wir die ganze Stimmung auf uns bezogen, hätten sie als bedrohlich wahrgenommen, wären Fremdlinge geworden, Eindringlinge, aber dem war nicht so, es war eine Stimmung der großen Abwesenheit. Es war, als ob niemand im Raum sei, es war, als ob alle Anwesenden, einschließlich wir, nicht hier seien, es war wie ein totales Verschwundensein aller Anwesenden, als ob jeder der anwesenden Personen nur im Raum sei, um zu verschwinden. Das Knacken der Barhocker hörte sich an wie das nagen der Holzwürmer und wäre die ganze Szenerie mit Spinnweben überzogen gewesen, hätten die elf plus zwei herumsitzenden Mumien perfekt ins Bild gepasst. In solch einer Stimmung kann man nicht sprechen und allen Nichtvorhandenen kundtun, dass jemand da ist, dass wir zwei da seien, dass wir im Kino waren und einen spannenden Film gesehen haben. Jedes Gespräch, das wir anfangs noch flüsternd versuchten, um es dann schnell aufzugeben, um auch in die Stille einzusteigen, um auch zu verschwinden aus der Anwesenheit, jedes Gespräch, auch ein noch so leises, wäre eine Distanzlosigkeit gewesen, eine Rücksichtslosigkeit, denn ein Gespräch hätte nicht nur uns existent gemacht, auch alle anderen wären durch das Hören aus dem Nichts in das Da gefallen. Mit dem Betreten des Blauen Affen schloss man an diesem Abend in großem Einverständnis ein Schweigegelübde ab, schloss man sich einer der Leitsprüche der Karthäuser Mönche an, (...) als ob es mich nie gegeben hätte. Beim Eintritt in dieses Lokal, an diesem Tag, verschwand man aus der irdischen Existenz. Nach zwei Bieren verließen wir schnell den Blauen Affen und kaum hatten wir die Türe hinter uns zugemacht, überfielen uns Wortkaskaden, peinigten uns Sprechzwänge, wir hörten uns nicht zu, jeder musste sprechen, sprechen, sprechen und alles, was wir übersteigert sagten, handelte vom Schweigen.

Einmal, wir kamen aus einem spanischen Film, in dem die Geschlechterrollen in Frage gestellt wurden, hatte ich noch Papiertaschentücher. Meine Tränen hielten sich diesmal in Grenzen, es war nicht ganz klar, ob der Film dokumentarische Elemente hatte oder ein Spielfilm war, die Grenzen waren unscharf, nicht erkennbar. Bei Dokumentationen muss ich nie weinen, immer nur bei Spielfilmen. Dieser Film verwischte auf sehr spannende Weise die Genres. Gleich nach dem Film fingen wir zu reden an, stürmten schon durstig in den Blauen Affen, bestellten uns das Bier. Die Sängerin, die uns fast immer fast erkannte, um ganz erkannt zu werden, sind wir zu wenig im Blauen Affen, brachte unser gepflegt gezapftes Bier.

An den Ecken des Tresens saß jeweils ein Mann, an den Tischchen saßen noch fünf andere Personen, von denen sich drei miteinander unterhielten. An einem anderen Tischchen saß ein Pärchen, er um die vierzig Jahre mit einem Lederhut im Cowboystil, sie unter zwanzig mit einem leichten französischen Akzent, wobei man nicht wusste, es im Unklaren war, sitzen die das erste Mal hier zusammen oder das letzte Mal, kennen die sich überhaupt oder sitzen die getrennt zufällig am gleichen Tisch. Einer der Männer am Tresen hatte einen großen Papageien neben seinem Bier stehen. Einen cirka 40cm großen Papageien und wenn man auf ihn, auf den Papagei drückte, sagte er laut und krächzend Guten Morgen. Dieser Mann, der Besitzer des mechanisierten Papageien, war nun ständig damit beschäftigt, seinem Papageien noch etwas anderes als nur Guten Morgen beizubringen. Er suchte aber nicht nach einem anderen Schalter, er las nicht die Gebrauchsanleitung, ob sein Papagei überhaupt noch andere Worte können konnte, er beschäftigte sich nicht mit solch grundsätzlichen Kleinigkeiten, nein, er appellierte an seine, des Papageien Intelligenz, war überzeugt von seiner eigenen Überzeugungskraft, seiner Lehrfähigkeit, er redete auf ihn ein, Sag guten Abend - guten Abend - guten Abend, sag guten Abend, hast du gehört, guten Abend, wir haben nicht mehr Morgen, sondern Abend, sag guten Abend und drückte auf des Papageien Knopf, was ein kehliges, krächzendes Guten Morgen zur Folge hatte. Jetzt war es aber nicht so, dass der Mann, dessen Arme mit Frauen und Schiffen aus fernen Ländern übersät waren, seine Erziehungsversuche seines Papageien allein für sich vornahm. Laut und deutlich, in Einbeziehung aller, lebte er sein pädagogisches Sendungsbewusstsein aus. Er wandte sich an das Publikum, um seinen Papageien bewundern zu lassen, ihn zu loben und loben zu lassen, da sich aber keiner der Gäste um ihm kümmerte, jeder so tat, als ob er nichts höre, er nicht der Adressat der Rede sei, schlüpfte der Papageienerzieher ständig in die anderen Rollen, die er brauchte, in die der Gäste, in die des Spracherziehers und in ein außerhalb stehendes Ich, das das Geschehen laut und unüberhörbar kommentierte. Jede seiner Rollen hatte eine leicht andere Stimme. Als sehr günstig erwies es sich, dass seine Standfestigkeit etwas in Mitleidenschaft gezogen war, sodass er es für besser hielt, nicht von Tisch zu Tisch zu ziehen, um jedem einzelnen seinen Papageien vorzustellen, sondern auf seinem Barhocker sitzen blieb, um wippend die Balance zu behalten. Immer wieder versuchte er, seinem Papageien andere Worte, Sätze, Aussagen beizubringen und immer überprüfte er durch einen Knopfdruck den Sprachlernerfolg des Vogels. Er wurde ärgerlich, schimpfte mit ihm, schmiss ihn auf den Boden. Guten Morgen, mehr als Guten Morgen kam aus dem armen Vogel nicht heraus. Er versuchte es mit gutem, liebevollem Zureden, mit Drohungen, mit Fütterungsangeboten, mit Bier, Guten Morgen. Der Mann tat einem recht Leid, denn er war verzweifelt, er schauspielerte nicht, ihm war es ernst, er wollte seinem Papageien etwas beibringen, er wollte mit ihm das Leben teilen und daher musste er auch etwas anderes sprechen als nur Guten Morgen: Nur etwas mehr Kommunikation wünschte er sich, etwas mehr als nur Guten Morgen am Abend zu hören, das gehört sich ja auch nicht, das macht man nicht, da kommt ja die Welt durcheinander, ein Guten Morgen am Abend, bei Dunkelheit. Die Urverzweiflung des Mannes steckte an. Insgeheim betete wahrscheinlich jeder für die Lernfähigkeit des Papageien, dass er endlich einmal etwas anderes sagen möge als nur immer das alberne Guten Morgen, dass ein kleiner, klitzekleiner Spracherfolg diesen armen Mann endlich aus seiner Verzweiflung befreien möge, dass dieser dumme, verfluchte Vogel einfach nur einmal Guten Abend kreischen möge, ist das denn zuviel verlangt oder sonst irgendwas, aber endlich nicht mehr nur Guten Morgen von sich geben möge. Niemand mischte sich bei den Erziehungsversuchen ein, alle schauten zu, alle schauten weg, alle beteten für einen Erfolg und keiner wagte es, zu dieser wahrhaften Tragödie ein Wort zu sagen, denn die Gefahr, selbst Teil des Dramas zu werden, war immens. Wie das Ganze ausging, erlebten wir nicht mehr, denn als es hieß Die letzte Runde, das Lokal schließt, zahlten wir schnell und gingen.

Einmal, nach einem sehr anstrengenden Film, der ohne Kommentar, ohne Besprechung hinterher nicht zu verstehen ist, bei dem man sich fragt, wie kann man einen solchen Film alleinig ansehen, wie kommt man damit danach zurecht, wenn man nicht jemanden zur Seite hat, mit dem man darüber sprechen kann, nach diesem, einem solchen Film gingen wir wieder in den Blauen Affen mit dem festen Vorsatz, uns diesmal von nichts ablenken zu lassen und uns diesen spannenden Film durch das gemeinsame Gespräch zu Eigen zu machen.

Das Lokal war gut besucht, alle standen um den Tresen herum, wir setzten uns an einen Tisch, bestellten unser Bier und ich meinte, dass der Film dem Titel nicht entspräche, dass man angelockt wird und dann etwas anderes zu sehen bekäme als man vermutet, trotz aller Besprechungen, die man vorher gelesen hat. Der entscheidende Punkt bei einem solchen Film ist das eigene Erleben, da die Bilder und Szenen eine Besprechung kaum vermitteln kann, da bleibt das Medium Schrift außen vor.

Am Tresen wurde es laut und fröhlich und uns wurde bald klar, worum es ging, einer der dort Sitzenden feierte seine Entlassung aus dem Krankenhaus. Es wurde laut über die Funktion eines Krankenhauses diskutiert und über den Zustand nach der Entlassung. Wenn man entlassen wird, sei man gesund, wurde festgestellt. Dafür sei ein Krankenhaus da, dies sei die Funktion des Krankenhauses. Man wird nicht entlassen, ohne gesund zu sein. Ein anderer meinte, dass man nicht ganz gesund sei, dass man auch nach dem Krankenhaus noch aufpassen müsse und daher solle der Entlassene nicht gleich wieder so viel trinken wie vorher. Man würde zwar gesund entlassen, aber nicht ganz gesund. Worauf der andere wieder meinte, das sei heller Unsinn, denn nur ganz Gesunde würde man aus dem Krankenhaus entlassen, alle die, die noch krank seien, würden keine Papiere bekommen und müssten drin bleiben und daher dürfe der Kumpel auch trinken, da er ja seine Papiere bekommen habe und die bescheinigten ihm seine Gesundheit. Anders könne es ja auch nicht sein, ist doch logisch, sonst wär er ja noch im Krankenhaus, und da er ja nun mal hier sei, hier sitze, sei er gesund. Oder? Das sei wie beim Frisör, wenn man da rein geht, werden einem die Haare geschnitten und wenn man rauskommt, sind sie geschnitten. Der andere hatte aber schon noch einen Einwand. Wenn man Alkoholprobleme hat, wenn man z.B. Säufer ist, dann muss man aufhören zu trinken, sonst wird man wieder krank und hat wieder Probleme. Das Argument wurde sofort aufgenommen und eingebaut, dass das sehr richtig sei, dass der Kumpel damit Probleme hatte, die Betonung liegt auf hatte, vorher, vor dem Krankenhaus, dort im Krankenhaus hat man ihm sozusagen, verstehste Kumpel, sozusagen die Probleme weggenommen, der Blinddarm wird einem ja dort auch rausgeschnitten, so musst du dir das vorstellen, dort hat man ihn geheilt, den Alkoholismus geheilt, weggenommen, den hat er nicht mehr, sonst würde er ja gar nicht hier sein können, denn wie wir vorher festgestellt haben, nur Geheilte werden entlassen und wenn er nun davon, von seiner Krankheit, geheilt ist, dann hat er damit ja auch kein Problem mehr, so kann er nun auch trinken und seine Entlassung feiern, verstehste Kumpel, so sind die Sachen. Ist schon schwer im Krankenhaus und das mit dem Gesundwerden, da muss man dann schon feiern, meinste nicht? Doch, doch, aber nicht jede Krankheit kann geheilt werden, nein, und wenn man an die ganzen ärztlichen Fehler denkt, wenn da einer zu früh entlassen wird, ist er trotzdem noch krank und wer weiß, vielleicht ist er da noch krank, mein ja nur, könnt ja sein, rein theoretisch mein ich das natürlich nur. Nach dem zweiten Bier gingen wir ziemlich wirr im Kopf.

Letzte Woche waren wir wieder im Film. Es war ein wunderschöner Film. Romantische Bilder aus der Karibik, Tote konnten auferstehen, Verwirrte erzählten spannende Theorien, wobei das Unterste zum Obersten wurde, blonde Rumäninnen, die niemand sah, spazierten über die Leinwand, sprechende Papageien gaben Kommentare zur Schiffbruchbay ab, schweigende Tote starrten einen an, mutige Piraten siegten durch Feigheit und ein Äffchen im blauen Matrosenanzug griff immer wieder entscheidend in die Geschehnisse ein.

Nach diesem Film gingen wir ausnahmsweise nicht in den Blauen Affen.